Symbolbild
Katze erbricht ständig: Leos Weg zurück zur Gesundheit
Namen und einige Details wurden aus Datenschutzgründen geändert. Die Befunde entsprechen dem echten Verlauf.
Wie alles anfing
Im August 2024 meldete sich Sarah bei mir. Ihr erster Satz war: „Ich weiß nicht mehr weiter.“ Ihr Kater Leo, ein ruhiger und freundlicher Europäisch Kurzhaar, erbrach immer wieder, und das schon seit vielen Monaten.
Angefangen hatte es im Dezember 2023. Leo erbrach regelmäßig, fraß schlecht, knirschte mit den Zähnen und fraß auffällig viel Gras. Dazu kamen Episoden von Rolling Skin Syndrom, bei denen die Haut am Rücken zuckt und die Katze plötzlich unruhig wird. Schon damals zeigten die Untersuchungen bei der Tierärztin eine Dysbiose und einen erhöhten Vitamin-B12-Wert.
Im April 2024 folgte ein Ultraschall an der Uni Leipzig. Magen- und Dünndarmwand waren deutlich verdickt, die Wandschichten verwaschen. Der Verdacht lautete auf eine chronische Entzündung von Magen und Darm, als mögliche andere Ursache stand ein Darmlymphom im Raum. Im Blut fielen erhöhte Nierenwerte, ein zu niedriges Kalium, eine erniedrigte Folsäure und weiterhin ein erhöhtes B12 auf. Ruhe kam trotz aller Behandlungen nicht in Leos Bauch
Was die Kotanalyse gezeigt hat
Im September 2024 haben wir eine umfassende Kotuntersuchung gemacht, und die hat vieles erklärt. Die schützenden Bakterien, also Enterokokken und Laktobazillen, waren stark vermindert, die Bifidobakterien mäßig.
Der Stuhl-pH lag mit 8,0 deutlich im alkalischen Bereich. Die Gallensäuren im Kot waren massiv erhöht, ein klares Zeichen für ein Gallensäureverlustsyndrom. Und das erhöhte Zonulin zeigte, dass die Darmschleimhaut durchlässiger war, als sie sein sollte.
Zusammengefasst hatte Leo eine chronische Dysbiose mit Leaky Gut, Gallensäureverlustsyndrom und einer gestörten Nährstoffaufnahme.
Kotbefund September 2024: Darmflora vor Therapiebeginn
Kotbefund September 2024: Gallensäuren und Zonulin vor Therapiebeginn
Der Behandlungsplan
In den ersten Wochen ging es nur darum, Magen und Darm zu beruhigen. Leo bekam ein homöopathisches Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, ein pflanzliches Präparat zum Schutz der Schleimhaut, einen Heilpilz, den wir langsam gesteigert haben, Antioxidantien, ein Mineralsalz für die Schleimhäute und ein mineralisches Entgiftungsmittel. Basisches und saures Wasser unterstützten den Säure-Basen-Haushalt, dazu kamen B-Vitamine mit Folsäure und Kalium zum Ausgleich.
Im Oktober 2024 haben wir das Futter umgestellt. Leo bekommt seitdem ein individuell berechnetes, gekochtes BARF: viel Fleisch und Herz, wenig Innereien, eine kleine Menge gekochtes Gemüse und alle nötigen Ergänzungen wie Calcium, Taurin, B-Vitamine und Öle. Sarah kocht es jede Woche frisch.
Ab der siebten Woche begann der eigentliche Darmflora-Aufbau mit hochdosierten Probiotika, einem Präparat speziell zur Förderung der Enterokokken, präbiotischen Ballaststoffen, die überschüssige Gallensäuren binden, und einem pflanzlichen Mittel zur Unterstützung der Abwehr.
Rückschläge und Fortschritte
Bei der Kontrolle im April 2025 hatten sich die Gallensäuren schon deutlich verbessert. Gleichzeitig war das Zonulin aber auf über 800 gestiegen. Leos Darm steckte in einer akuten Entzündungsphase. Enterokokken und Laktobazillen waren weiter stark vermindert, der pH lag noch bei 8,0, und die hämolysierenden E. coli hatten leicht zugenommen.
Das war ein Rückschlag. Wir sind drangeblieben.
Kotbefund April 2025: die Darmflora braucht noch Zeit
Kotbefund April 2025: Gallensäuren besser, Zonulin massiv erhöht
Im Juni 2025 waren die Gallensäuren weiter gefallen. Im November 2025 zeigte sich dann ein deutlicher Fortschritt: Die Gallensäuren waren um fast 60 Prozent gesunken, das Zonulin von massiv auf mäßig erhöht zurückgegangen. Die Laktobazillen hatten sich von stark auf gering vermindert erholt, und der Stuhl-pH näherte sich mit 7,5 dem Normbereich. Nicht alles lief in die richtige Richtung: Die Bifidobakterien waren nun stark vermindert, die hämolysierenden E. coli mäßig vermehrt, und die Enterokokken blieben unverändert niedrig.
Kotbefund November 2025: Laktobazillen und pH-Wert erholen sich
Kotbefund November 2025: Gallensäuren fast 60 Prozent niedriger, Zonulin deutlich gesunken
Das Blutbild im Dezember 2025 war über weite Strecken erfreulich. Die Nierenwerte hatten sich normalisiert, Leber, Bauchspeicheldrüse und Schilddrüse waren unauffällig, die Elektrolyte ausgeglichen. Auffällig blieben eine deutlich erniedrigte Folsäure als Zeichen der gestörten Nährstoffaufnahme, ein noch erhöhtes B12, das aber so niedrig war wie seit Jahren nicht, leicht erniedrigte Blutplättchen und ein leicht erhöhter MCH-Wert.
Dezember 2025: Leo erbricht nicht mehr
Dann kam der Anruf, auf den wir so lange gewartet hatten. Sarah weinte vor Freude und sagte: „Er erbricht nicht mehr.“ Leo war seit Wochen brechfrei, fraß besser, seine Verdauung war stabil, das Zähneknirschen war verschwunden, er fraß weniger Gras und war sichtbar lebensfroher.
Was noch offen ist
Ganz am Ziel sind wir noch nicht. Die Folsäure ergänzen wir jetzt täglich und schleichen sie langsam ein. Die Blutplättchen kontrollieren wir in einigen Wochen erneut. Die Probiotika laufen weiter, die hämolysierenden E. coli müssen behandelt werden, und der Rückgang der Bifidobakterien soll gestoppt werden. Das Zonulin liegt noch über der Norm, das Leaky Gut ist also noch nicht ausgeheilt. Und dann gibt es noch eine Baustelle, die sich hartnäckig hält: die Enterokokken.
Warum sich manche Bakterien nicht ansiedeln lassen
Trotz monatelanger, hochdosierter Gabe sind Leos Enterokokken seit 2023 kaum verändert. Dafür gibt es mehrere Gründe, die zusammenspielen.
Die Gallensäuren. Normalerweise holt der hintere Dünndarm die Gallensäuren zurück. Bei einem Gallensäureverlust wandern sie weiter in den Dickdarm. Dort wirken sie antimikrobiell und reizen die Schleimhaut. Besonders empfindlich reagieren Laktobazillen und Bifidobakterien, also genau die Bakterien, die wir mit Probiotika aufbauen wollen. Ein Teil dessen, was wir zuführen, wird so gleich wieder geschädigt, wie bei einem Eimer mit Loch. Trotzdem lohnt sich die Gabe: Ohne sie würde die Flora noch weiter abrutschen. Enterokokken selbst vertragen Galle vergleichsweise gut. Dass sie trotzdem nicht Fuß fassen, liegt deshalb vor allem an den nächsten drei Punkten.
Das Milieu. Wird die Nahrung schlecht verdaut, gelangen unverdaute Reste in den Dickdarm. Davon leben Fäulnisbakterien, und ihre Stoffwechselprodukte verschlechtern das Darmmilieu weiter. Ein alkalischer pH, wie Leo ihn hatte, begünstigt diese Fäulnisprozesse, während die guten Bakterien ein leicht saures Milieu brauchen. Deshalb war der Schritt von pH 8,0 auf 7,5 so wichtig.
Die Zeit. Leos Dysbiose bestand schon über zwei Jahre. Je länger die guten Bakterien fehlen, desto mehr besetzen andere Keime ihre Plätze und geben sie nicht freiwillig wieder her. Eine chronische Entzündung verändert außerdem die Schleimhaut, sodass neue Bakterien schlechter andocken können, und das Immunsystem hat sich an den bestehenden Zustand gewöhnt. Kurz gesagt: Je länger eine Dysbiose besteht, desto schwieriger wird es, sie zu korrigieren.
Vielleicht auch die Herkunft. Eine bekannte Studie an Mäusen hat gezeigt, dass bei ballaststoffarmer Ernährung über mehrere Generationen hinweg immer mehr Bakterienarten verloren gingen. Nach vier Generationen kamen sie auch mit gutem Futter nicht mehr von allein zurück, erst als man sie gezielt wieder zuführte. Andere Arbeiten zeigen, dass auch die Gene des Tieres mitbestimmen, welche Bakterien sich ansiedeln. Ob das bei Katzen genauso abläuft, ist bisher nicht untersucht. Bei Leo ist es deshalb eine Überlegung, keine Diagnose: Wenn schon seine Mutter und Großmutter eine gestörte Darmflora hatten, ist er vielleicht mit einer Flora ins Leben gestartet, in der Enterokokken kaum eine Chance hatten.
Was das für Leo bedeutet
Nicht jede Dysbiose lässt sich vollständig normalisieren. Manchmal können wir stabilisieren und verbessern, aber nicht alles auf Lehrbuchwerte bringen. Für Leo prüfen wir jetzt andere Enterokokken-Stämme und gezielte präbiotische Fasern. Gut möglich, dass er dauerhaft eine niedrige Dosis Probiotika und sein angepasstes Futter braucht, mit regelmäßigen Kontrollen.
Und das ist in Ordnung. Das Ziel ist keine perfekte Darmflora auf dem Papier, sondern ein Kater, der nicht mehr erbricht und sein Leben genießt. Manchmal sind 80 Prozent Verbesserung ein voller Erfolg.
Sarahs Anteil an dieser Geschichte
Ohne Sarah gäbe es dieses Ergebnis nicht. Sie hat Leo über 16 Monate dreimal täglich Tabletten gegeben, jede Woche frisch für ihn gekocht, bei Rückschlägen nicht aufgegeben und mir vertraut, auch als die Befunde zwischendurch schlechter wurden.
Was du aus Leos Geschichte mitnehmen kannst
Wenn deine Katze immer wieder erbricht, ist das kein normales Katzenverhalten, sondern ein Signal.
Oft zeigt sich eine Dysbiose schon lange, bevor es richtig schlimm wird. Bei Leo waren die ersten Hinweise schon im Dezember 2023 da. Eine gründliche Kotuntersuchung mit Gallensäuren und Zonulin kann Ursachen sichtbar machen, die im Blutbild allein nicht auffallen.
Und chronische Darmprobleme brauchen Zeit: Rückschläge gehören dazu.
Mehr zum Thema findest du in meinen Artikeln zur Gastritis bei Hund und Katze, zum Leaky Gut und zum Gallensäureverlustsyndrom.
© Leos Geschichte ist noch nicht zu Ende. Stand: Januar 2026.
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Quellen
- Sonnenburg ED et al. (2016): Diet-induced extinctions in the gut microbiota compound over generations. Nature 529, 212 bis 215.
- Korpela K, de Vos WM (2018): Early life colonization of the human gut: microbes matter everywhere. Current Opinion in Microbiology 44, 70 bis 78.
- Org E et al. (2015): Genetic and environmental control of host-gut microbiota interactions. Genome Research 25, 1558 bis 1569.