Was ist eine Kottransplantation?
Die Kottransplantation, medizinisch als Fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) bezeichnet, ist ein Verfahren, bei dem Kot von einem gesunden Spendertier auf ein krankes Empfängertier übertragen wird. Ziel ist es, die gestörte Darmflora des erkrankten Tieres durch die gesunden Darmbakterien des Spenders wiederherzustellen.
Das Verfahren stammt ursprünglich aus der Humanmedizin, wo es bei schweren Darmentzündungen durch Clostridium difficile eingesetzt wird. In den letzten Jahren wird es zunehmend auch bei Hunden und experimentell bei Katzen angewendet.
Wie funktioniert die Kottransplantation?
Bei der FMT wird frischer Kot eines gesunden Spendertieres aufbereitet und dem erkrankten Tier zugeführt. Dies kann auf verschiedene Wege erfolgen:
Rektal: Direkte Einbringung über den Enddarm (meist unter Narkose)
Oral: Verabreichung über Kapseln oder Sonden
Kombiniert: Beide Methoden gleichzeitig
Die übertragenen Bakterien sollen sich im Darm des Empfängers ansiedeln und das gestörte Gleichgewicht der Darmflora wiederherstellen.
Mögliche Vorteile einer Kottransplantation
Aktuelle Studienlage (2024/2025)
Neuere Forschungen zeigen gemischte Ergebnisse für FMT bei Haustieren. Während einige Studien Verbesserungen bei chronischen Enteropathien dokumentieren, bleiben viele Aspekte ungeklärt.
Dokumentierte Erfolge:
In kontrollierten Studien zeigten Hunde und Katzen mit chronischen Darmerkrankungen signifikante Verbesserungen der klinischen Scores nach FMT-Behandlung. Eine Studie aus 2025 berichtete, dass 17 von 20 Hunden mit chronischer Enteropathie bis zu drei Monate nach FMT klinisch verbessert waren, und 10 Hunde blieben bis zu einem Jahr stabil.
FMT zeigt besonders gute Ergebnisse bei Welpen mit Parvovirus-Infektionen und akuten Durchfallerkrankungen.
Theoretische Vorteile:
Wiederherstellung der Mikrobiom-Diversität: Übertragung tausender verschiedener Bakterienarten
Schnellere Genesung: Potenziell schnellere Erholung als mit herkömmlicher Antibiotikatherapie bei bestimmten Erkrankungen
Reduktion von Antibiotika: Möglichkeit, langfristige Antibiotikagaben zu verringern
Bei welchen Erkrankungen wird FMT diskutiert?
FMT wird hauptsächlich eingesetzt bei Parvovirus-Infektionen, chronischen Enteropathien, akuter hämorrhagischer Diarrhoe und vereinzelt bei atopischer Dermatitis:
- Chronische Enteropathien (IBD)
- Antibiotikaresistente Durchfälle
- Akute Durchfallerkrankungen
- Clostridium-Infektionen (bei Hunden)
- Experimentell: Hauterkrankungen und Stoffwechselstörungen
Die erheblichen Risiken und Nachteile
Gesundheitsrisiken für das Tier
Narkoserisiko bei rektaler Anwendung: Die rektale FMT-Prozedur erfordert oft eine Vollnarkose, was besonders bei vorerkrankten Tieren (z.B. Herzpatienten) ein erhebliches Risiko darstellt. Mehrfache Narkosen innerhalb kurzer Zeit belasten den Organismus massiv.
Übertragung von Krankheitserregern: Ohne umfassende Tests des Spenders können Parasiten, Viren oder pathogene Bakterien mit übertragen werden:
- Giardien
- Würmer
- Coronaviren (besonders bei Katzen)
- Bakterielle Pathogene (E. coli, Salmonellen, Campylobacter)
- FeLV und FIV bei Katzen
- Andere Infektionserreger
Die Lücken in den internationalen Richtlinien 2024:
Das Companion Animal FMT Consortium veröffentlichte 2024 die ersten internationalen Richtlinien für Spender-Screening. Diese empfehlen zwar ein "strenges" Screening, lassen jedoch kritische Lücken offen:
Was die Richtlinien EMPFEHLEN:
- Keine Antibiotika-Gabe in den letzten 3 Monaten
- Keine Säureblocker mindestens 2 Wochen vorher
- Ideale Körperkondition
- Ausschluss aller gastrointestinalen Symptome in den letzten 4 Monaten
- Klinisch gesund bei körperlicher Untersuchung
- Erneutes Screening alle 6 Monate
Was die Richtlinien NICHT vorschreiben (kritische Lücken!):
- Clostridium perfringens: Test wird NICHT empfohlen, da "klinische Bedeutung unbekannt"
- Clostridium difficile: Test ist nur OPTIONAL, liegt im Ermessen des Tierarztes
- Virentests: Keine standardisierten Viren-Screenings vorgeschrieben (z.B. Coronavirus, FeLV, FIV, Parvovirus)
- Parasiten-Panels: Keine konkreten Parasitentests definiert
- SIBO-Screening: Keine Empfehlung, Spender auf Dünndarmfehlbesiedelung zu testen
- KEINE MIKROBIOM-ANALYSE DES SPENDERS! Dies ist besonders schockierend: Die Richtlinien empfehlen ausdrücklich KEINE Untersuchung der Darmflora des Spenders
Die unbekannte Qualität der Spenderflora
Ein wichtiger Punkt wird oft übersehen: Wie gesund ist die Darmflora des Spenders überhaupt? Die Leitlinien von 2024 verlangen hier keine Untersuchung. Man verlässt sich darauf, dass das Spendertier gesund aussieht.
Genau das ist das Problem. Ein Tier kann eine gestörte Darmflora haben, ohne dass man es ihm ansieht. Wer die Flora des Spenders nicht untersucht, weiß nicht genau, was er überträgt. Deshalb halte ich es für sinnvoll, die Darmflora des Spenders vorher zu prüfen – bevor man fremde Bakterien auf ein ohnehin krankes Tier überträgt.
Dokumentierte Probleme in der Praxis: Eine Studie berichtete von einem "gründlich gescreenten" Spenderhund, der nach den Richtlinien als geeignet galt, dessen Mikrobiom-Analyse jedoch eine unerwartete Zusammensetzung mit erhöhten Pseudomonadota-Werten zeigte - ein Marker für Dysbiose!
Dieser Hund wurde trotzdem als Spender verwendet, weil nach den Richtlinien kein Mikrobiom-Test erforderlich war.
Das Problem: Diese massiven Lücken bedeuten, dass ein Spender nach den 2024-Richtlinien als "geeignet" gelten kann, obwohl er:
- Potenzielle Pathogene trägt
- Eine suboptimale oder sogar gestörte Darmflora hat
- Subklinische Infektionen oder Träger-Status aufweist
- Eine Dysbiose ohne äußere Symptome hat
Die Richtlinien verlassen sich stark auf die klinische Gesundheit und "gesund aussehen", übersehen aber völlig die tatsächliche Qualität der zu transplantierenden Bakterien.
Fehlende Grundvoraussetzungen: Eine Transplantation kann nur erfolgreich sein, wenn:
- Der pH-Wert im Darm korrekt eingestellt ist
- Die Darmschleimhaut intakt oder aufgebaut ist
- Das Darmmilieu die Ansiedlung neuer Bakterien überhaupt zulässt
- Keine unbehandelte Entzündung vorliegt
Das häufigste Versäumnis in der Praxis: In den meisten Fällen wird FMT durchgeführt, OHNE vorher das Darmmilieu vorzubereiten. Dies ist wie das Säen von Samen auf unfruchtbarem, saurem Boden – die Bakterien können sich nicht ansiedeln.
Eine FMT ohne vorherige Optimierung von pH-Wert und Schleimhautregeneration ist in der Regel zum Scheitern verurteilt.
Im Fall von Barney (siehe Erfahrungsbericht) wurde dies deutlich: Der pH-Wert war viel zu sauer, die Schleimhaut stark entzündet und geschädigt. Die transplantierten Bakterien hatten keine Chance, sich anzusiedeln. Erst nach Korrektur dieser Grundprobleme konnte der Darm heilen – ganz ohne FMT.
Traumatisierung: Die rektale Prozedur kann für das Tier sehr belastend sein, besonders wenn sie wiederholt werden muss.
Wissenschaftliche und ethische Bedenken
Begrenzte Forschung bei Tieren: Während FMT beim Menschen für bestimmte Indikationen (hauptsächlich Clostridium difficile-Infektionen) etabliert ist, gibt es bei Hunden und insbesondere Katzen deutlich weniger fundierte Langzeitstudien. Ein internationales Konsortium entwickelte erst 2024 die ersten klinischen Richtlinien für FMT bei Haustieren.
Variable Erfolgsraten und individuelle Unterschiede:
Aktuelle Studien zeigen, dass die Mikrobiom-Reaktionen auf FMT hochgradig individuell sind. Eine Studie von 2024 mit 54 Hunden zeigte, dass kein FMT-Empfänger ein identisches Mikrobiom entwickelte – die Reaktionen waren individuell verschieden und wurden stark von Faktoren wie Ernährung, Körperkondition und vorheriger Antibiotikabehandlung beeinflusst.
Begrenzte Bakterienübertragung:
Selbst bei erfolgreicher Übertragung siedelt sich nur ein Teil der Spenderbakterien dauerhaft im Empfängerdarm an. Studien zeigen je nach Methode, Tierart und Vorgeschichte sehr unterschiedliche Werte – häufig deutlich unter einem Drittel der übertragenen Stämme, bei Katzen teils noch weniger. Welche Bakterien sich etablieren, hängt stark vom bereits vorhandenen Darmmilieu des Empfängers ab. Eine FMT ist damit kein planbarer „Austausch" der Flora, sondern ein Eingriff mit ungewissem und individuell sehr verschiedenem Ergebnis.
Genetische Einschränkungen:
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich manche Bakterienstämme aufgrund genetischer Faktoren (über bis zu vier Generationen vererbte Darmflorastörungen) gar nicht dauerhaft ansiedeln können – unabhängig davon, wie sie zugeführt werden. In diesen Fällen ist eine lebenslange Supplementierung angemessener als eine FMT.
Fehlende Ursachenbehandlung:
Eine FMT behandelt nicht die Ursache der Darmerkrankung (z.B. Futtermittelunverträglichkeiten, chronische Entzündungen, Immunstörungen), sondern nur das Symptom der gestörten Darmflora.
Das größte Versäumnis:
Keine Mikrobiom-Analyse des Spenders wird empfohlen!
In der Praxis werden Spendertiere oft noch weniger getestet:
- Fehlende umfassende Kotuntersuchungen auf Parasiten und Pathogene
- Keine Virentests (trotz hohem Risiko)
- Keine Überprüfung der tatsächlichen Qualität der Spender-Darmflora (nicht einmal in den Richtlinien gefordert!)
- Verwendung von Mitbewohnern als Spender ohne ausreichende Gesundheitschecks
- Keine SIBO-Diagnostik beim Spender
- Verlassen auf "klinisch gesund" ohne Labor-Bestätigung
- Blindes Vertrauen darauf, dass ein gesund aussehender Hund/Katze auch eine gesunde Darmflora hat
Verantwortungsvolle Spenderauswahl MUSS beinhalten (entgegen den unzureichenden 2024-Richtlinien):
- MIKROBIOM-ANALYSE DES SPENDERS (das Wichtigste überhaupt! Ohne diese Untersuchung weiß man nicht, was man überträgt)
- Diversitätsindex prüfen
- Verhältnis von guten zu schlechten Bakterien
- Ausschluss von Dysbiose-Markern (z.B. erhöhte Pseudomonadota)
- Nachweis ausreichender Bacteroides, Firmicutes, Actinobacteria
- Komplettes Parasiten-Screening (Giardien, Würmer, Kokzidien, Tritrichomonas foetus bei Katzen,etc.)
- Virentests je nach Tierart (FeLV, FIV, Coronavirus bei Katzen; Parvovirus bei Hunden)
- Bakterielle Kulturen und Antibiogramme
- SIBO-Ausschluss (Vitamin B12, Folsäure)
- Clostridium-Tests trotz fehlender Richtlinien-Empfehlung
- pH-Wert-Messung der Spender-Flora
Da die Qualität der Spenderflora meist nicht geprüft wird, weiß man oft nicht genau, was übertragen wird.
Orale FMT-Kapseln – Eine sicherere Alternative?
In den letzten Jahren wurden kommerzielle FMT-Kapseln für Hunde und Katzen entwickelt, die oral verabreicht werden können. Diese bieten bestimmte Vorteile gegenüber der rektalen Methode, bringen aber auch eigene Herausforderungen mit sich.
Vorteile der oralen Kapseln
Keine Narkose erforderlich: Der größte Vorteil liegt darin, dass keine Sedierung oder Vollnarkose notwendig ist, was das Risiko für vorerkrankte Tiere erheblich reduziert.
Einfachere Anwendung: Orale Kapseln können zu Hause verabreicht werden, was Stress für das Tier minimiert und die Kosten senkt.
Positive Studienergebnisse:
Eine koreanische Studie von 2024 mit 8 Tieren (5 Hunde, 3 Katzen) zeigte signifikante Verbesserungen der klinischen Scores bei chronischen Enteropathien nach oraler FMT-Gabe. Keine Nebenwirkungen wurden berichtet.
Eine Fallstudie dokumentierte sogar einen 18-monatigen Erfolg bei einem Hund mit rezidivierender chronischer Diarrhoe.
Enteric-Coating: Die Kapseln sind mit einer magensaftresistenten Beschichtung versehen, sodass die Bakterien erst im Darm freigesetzt werden.
Nachteile und Risiken der oralen Kapseln
Begrenzte Engraftment-Rate: Wie bereits erwähnt, werden durchschnittlich nur 18% der Spenderbakterien übertragen. Die Effektivität hängt stark von individuellen Faktoren ab.
Ungewisse Haltbarkeit:
Bei lyophilisierten (gefriergetrockneten) FMT-Kapseln ist die Haltbarkeit und Bakterienviabilität noch nicht ausreichend erforscht. Studien zur Lebensfähigkeit und klinischen Wirksamkeit laufen erst.
Kosten:
Kommerzielle FMT-Kapseln können teuer sein, besonders bei längerfristiger Anwendung über mehrere Wochen.
Fehlende Langzeitstudien:
Die meisten Studien haben nur kurze Nachbeobachtungszeiten. Langzeiteffekte bei Katzen und Hunden sind weitgehend unbekannt.
Individuelle Variabilität:
Die Mikrobiom-Reaktionen sind hochgradig individuell. Was bei einem Tier funktioniert, kann bei einem anderen wirkungslos sein, selbst bei ähnlichen Symptomen.
Bevor eine so invasive Maßnahme wie eine Kottransplantation erwogen wird, sollten folgende Ansätze ausgeschöpft werden:
- Diagnostik der Grunderkrankung
- Umfassende Darmfloraanalysen
- pH-Wert-Messung des Darms (entscheidend für Bakterienansiedlung!)
- Entzündungsmarker und Schleimhautparameter
- Ausschluss von Futtermittelunverträglichkeiten
- SIBO-Ausschluss (Vitamin B12, Folsäure)
- Verdauungsenzyme prüfen
Vorbereitung des Darmmilieus (ESSENTIELL vor jeder FMT!)
Dies ist der oft vernachlässigte, aber kritischste Schritt:
- pH-Wert-Regulierung: Der Darm-pH muss im optimalen Bereich liegen
- Zu saures Milieu oder zu basisch verhindert Ansiedlung guter Bakterien
- Regulierung durch gezielte Präbiotika und Ernährung
- Kontrollmessung nach 2-4 Wochen
Schleimhautregeneration:
- Die Darmschleimhaut muss funktionsfähig sein
- Behandlung bestehender Entzündungen
- Aufbau der Schleimhautbarriere mit Heilpflanzen (z.B. Ulmenrinde, L-Glutamin)
- Unterstützung der tight junctions (Darmbarriere)
- Zeit für Heilung einplanen: 8-12 Wochen
Eliminierung schädlicher Keime:
- Falls pathogene Bakterien vorhanden sind
- Gezielte Behandlung (ggf. Antibiotika nach Antibiogramm)
- Natürliche antimikrobielle Mittel
- Erst danach Aufbau der guten Flora
Wichtig: Diese Vorbereitungsphase dauert mehrere Wochen bis Monate, löst aber oft das Problem OHNE FMT. In vielen Fällen erholt sich der Darm durch diese Maßnahmen bereits so weit, dass eine riskante FMT gar nicht mehr nötig ist!
Naturheilkundliche Darmtherapie
- Gezielte Gabe von Probiotika (artgerechte Bakterienstämme)
- Präbiotika zur Förderung guter Darmbakterien
- Heilpflanzen zur Schleimhautregeneration (z.B. Ulmenrinde)
- pH-Wert-Regulierung
- Aufbau der Darmschleimhaut
Ernährungsumstellung
- Oft ist eine Futterunverträglichkeit die Wurzel des Problems
- Ausschlussdiät zur Identifikation von Allergenen
- Umstellung auf natürliche, artgerechte Ernährung
- Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe
- Individuell angepasste Fütterung
Ganzheitlicher Therapieansatz
- Behandlung von Entzündungen
- Stressreduktion
- Unterstützung des Immunsystems
- Begleitende Naturheilverfahren (Mykotherapie, Phytotherapie)
Fazit: Kritische Bewertung basierend auf aktueller Forschung (2024/2025)
Die Kottransplantation bei Hunden und Katzen zeigt in neueren Studien durchaus Potenzial, besonders bei bestimmten Erkrankungen wie Parvovirus-Infektionen und therapieresistenten chronischen Enteropathien. Die Forschung hat seit 2020 deutliche Fortschritte gemacht, und erstmals gibt es internationale klinische Richtlinien (2024).
Dennoch bleiben erhebliche Einschränkungen:
Wann FMT in Betracht gezogen werden kann (unter strengen Voraussetzungen):
- Nach Ausschöpfung aller anderen Therapieoptionen einschließlich Ernährungsumstellung, Entzündungsbehandlung und Ursachenforschung
- Nur nach vorheriger Vorbereitung des Darms: Dies ist entscheidend und wird oft vernachlässigt!
- pH-Wert-Optimierung: Der Darm-pH muss im optimalen Bereich liegen, damit sich transplantierte Bakterien überhaupt ansiedeln können
- Schleimhautaufbau: Entzündete, geschädigte Darmschleimhaut muss erst regeneriert werden, bevor neue Bakterien ein funktionierendes "Zuhause" finden können
- Entzündungsbehandlung: Aktive Entzündungen müssen behandelt sein
- Optimiertes Darmmilieu: Die "Bodenqualität" muss stimmen, sonst verpufft die FMT wirkungslos
- Bei akuten, lebensbedrohlichen Zuständen wie Parvovirus-Infektionen (hier dokumentierte Erfolge) – auch hier idealerweise mit Schleimhautschutz
- Mit umfassendem Spender-Screening mehr als nur nach internationalen Richtlinien von 2024
- Bei Tieren ohne Herzerkrankungen (wenn rektale FMT in Narkose)
- Vorzugsweise orale Kapseln statt rektaler Methoden, um Narkoserisiken zu vermeiden
Wann sollte definitiv von FMT abgeraten werden?
- Wenn die Grundursache nicht abgeklärt ist (z.B. unbehandelte Entzündungen, nicht diagnostizierte Futtermittelallergien)
- Bei Tieren mit schweren Vorerkrankungen (Herz, Nieren) und rektaler FMT-Methode
- Wenn der Spender nicht über die 2024-Richtlinien hinaus umfassend getestet wurde (Viren, Parasiten, Mikrobiom-Qualität, SIBO)
- Wenn weniger invasive Therapien nicht ausgeschöpft wurden
- Bei Freigängerkatzen als Spender (hohes Infektionsrisiko)
- Bei unklarem SIBO-Status, besonders wenn orale Kapseln verwendet werden sollen
- Wenn pH-Wert und Schleimhaut nicht vorher optimiert wurden
Die wichtigsten neuen Erkenntnisse aus 2024/2025:
- Individuelle Variabilität ist enorm: Kein Tier reagiert gleich auf FMT
- Nur 18% Bakterienübertragung: Die meisten Spenderbakterien siedeln sich nicht an
- Ernährung und Vorgeschichte wichtig: Diet, Antibiotika-Historie und Körperkondition beeinflussen den Erfolg maßgeblich
- Orale Kapseln sicherer: Keine Narkose, aber Wirksamkeit muss noch besser erforscht werden
- SIBO-Problem ungeklärt: Risiken durch orale FMT im Dünndarm sind nicht ausreichend untersucht
- Langzeitwirkung fraglich: Die meisten Studien haben kurze Nachbeobachtungszeiten
- Die Qualität der Spenderflora wird meist nicht geprüft – man weiß oft nicht genau, was übertragen wird.
Die bessere Alternative: Ganzheitlicher, ursachenorientierter Ansatz
Eine systematische, ganzheitliche Darmtherapie mit gründlicher Diagnostik, Ursachenforschung und individuell angepasster Behandlung ist in den meisten Fällen der sicherere und nachhaltigere Weg:
- Umfassende Diagnostik der Darmgesundheit (inkl. SIBO-Ausschluss, pH-Wert, Schleimhautmarker)
- Behandlung von Entzündungen und Schleimhautschäden als oberste Priorität – keine FMT ohne gesunde Schleimhaut!
Korrektur des Darmmilieus als Grundlage für jede weitere Therapie:
- pH-Wert-Optimierung (Messungen durchführen!)
- Verdauungsenzyme bei Bedarf
- Schaffung eines bakterienfreundlichen Umfelds
- Identifikation und Elimination von Unverträglichkeiten durch sorgfältige Ausschlussdiät
- Gezielter Aufbau der Darmflora mit artgerechten Probiotika basierend auf Laborergebnissen
- Erst NACH pH-Korrektur und Schleimhautaufbau
- Individuell angepasste Bakterienstämme
- Kontinuierliche Gabe über mehrere Monate
Langfristige Ernährungsoptimierung ohne künstliche Zusätze
- Frische, natürliche Zutaten
- Vermeidung von Allergenen
- Artgerechte Zusammensetzung
Unterstützung der Darmbarriere mit Heilpflanzen und Nährstoffen
- L-Glutamin für Schleimhautzellen
- Ulmenrinde als Schleimhautschutz
- Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend
Die Erfahrung zeigt: In über 90% der Fälle kann der Darm durch diese systematische Vorgehensweise wieder ins Gleichgewicht gebracht werden – OHNE die Risiken einer FMT. Die Heilung dauert zwar länger (3-6 Monate), ist aber nachhaltiger und behandelt die eigentliche Ursache.
Auch die aktuellsten Studien 2025/2026 bestätigen dieses Bild: Je sauberer eine Studie gemacht ist – mit einer echten Vergleichsgruppe –, desto nüchterner fällt das Ergebnis aus. Bei Katzen zeigte eine kontrollierte Studie mit 28 Tieren, dass eine einmalige FMT die Darmflora nicht messbar verbesserte – weder im Vergleich zu vorher noch zur Kontrollgruppe. Auch bei Hunden brachte die FMT in placebokontrollierten Studien keinen sicheren Vorteil gegenüber einer Schein-Behandlung. Die vielen „Erfolgsgeschichten" stammen dagegen fast alle aus Studien ohne Vergleichsgruppe. Wirklich überzeugend ist die FMT bis heute nur bei einem: der akuten Parvovirose bei Welpen.
FMT kann in sehr spezifischen, schweren Fällen eine Option sein – aber nur als Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts, niemals als erste Wahl und niemals ohne vorherige Optimierung von pH-Wert und Schleimhaut. Der Fokus sollte immer auf der Behandlung der zugrunde liegenden Ursache liegen, nicht nur auf der Symptombekämpfung.
Quellen / Studien
- Winston JA et al.: Clinical Guidelines for Fecal Microbiota Transplantation in Companion Animals. Advances in Small Animal Care, 2024; 5(1): 79–107.
- Karra DA, Suchodolski JS, Newman SJ et al.: Single Enema Fecal Microbiota Transplantation in Cats With Chronic Enteropathy. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2025; 39(3): e70054. (Kontrollierte Studie mit 28 Katzen – kein messbarer Effekt auf den Dysbiose-Index)
- Vecchiato CG, Sabetti MC, Sung CH et al.: Effect of faecal microbial transplantation on clinical outcome, faecal microbiota and metabolome in dogs with chronic enteropathy refractory to diet. Scientific Reports, 2025; 15: 11957. (Quelle für „17 von 20 Hunden")
- Collier AJ, Gomez DE et al.: Investigating fecal microbial transplant as a novel therapy in dogs with inflammatory bowel disease: A preliminary study. PLOS One, 2022; 17(10): e0276295. (Placebokontrolliert – kein signifikanter Unterschied zu Placebo)
- Oral Fecal Microbiota Transplantation in Dogs with Tylosin-Responsive Enteropathy – A Proof-of-Concept Study. Veterinary Sciences (MDPI), 2024; 11(9): 439. (FMT 71,4 % vs. Placebo 50 %, nicht signifikant)
- Microbiome Responses to Oral Fecal Microbiota Transplantation in a Cohort of Domestic Dogs. (Kohorte von 54 Hunden – im Schnitt 18 % der Spenderbakterien siedelten sich an)
- Toresson L, Spillmann T, Pilla R et al.: Clinical Effects of Faecal Microbiota Transplantation as Adjunctive Therapy in Dogs with Chronic Enteropathies – A Retrospective Case Series of 41 Dogs. Veterinary Sciences, 2023; 10(4): 271.
- Fecal Microbiota Transplantation via Commercial Oral Capsules for Chronic Enteropathies in Dogs and Cats. Journal of Veterinary Clinics, 2024; 41(3): 150. (Koreanische Studie, 5 Hunde + 3 Katzen)
- Successful Management of a Dog with Protein-Losing Enteropathy and Concurrent Protein-Losing Nephropathy with Repeated Fecal Microbiota Transplantation. Pets (MDPI), 2026; 3(1): 4. (Aktueller Fallbericht 2026)
Hinweis zu den Bildern
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.
Kommentar hinzufügen
Kommentare