Die Darm-Bauchspeicheldrüsen-Achse bei Hund und Katze

Dieser Beitrag ist Teil meiner Reihe, Der Darm und seine Verbindungen zum Körper. Hier schaue ich mir jede einzelne Darm-Achse ganz genau mit dir an.

Kaum ein Organ arbeitet so direkt mit dem Darm zusammen wie die Bauchspeicheldrüse. Sie liefert die Werkzeuge, ohne die der Darm die Nahrung gar nicht richtig zerlegen könnte, und sie hält gleichzeitig den Blutzucker in Schach. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Takt, leidet die Verdauung, die Darmflora kippt, und umgekehrt kann eine gestörte Darmflora die Bauchspeicheldrüse weiter belasten. In dieser Folge zeige ich dir, wie eng Darm und Bauchspeicheldrüse verbunden sind, was dabei schieflaufen kann und woran man erkennt, dass diese Achse betroffen ist.

 

Die Bauchspeicheldrüse hat zwei Aufgaben

Die Bauchspeicheldrüse ist ein stilles, aber unglaublich wichtiges Organ mit zwei ganz verschiedenen Jobs.

Der erste Job ist die Verdauung. Die Bauchspeicheldrüse bildet die Verdauungsenzyme, also die Werkzeuge, die Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate im Darm in ihre kleinsten Bausteine zerlegen. Ohne diese Enzyme kann der Körper aus dem Futter kaum Nährstoffe ziehen, egal wie viel das Tier frisst. Diesen Teil nennt man die äußere oder exokrine Funktion.

Der zweite Job ist die Steuerung des Blutzuckers. Die Bauchspeicheldrüse bildet auch das Hormon Insulin, das dafür sorgt, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Diesen Teil nennt man die innere oder endokrine Funktion. Fällt er aus, entsteht Diabetes.

Für die Darm-Achse ist vor allem der erste Job entscheidend, denn über die Verdauungsenzyme steht die Bauchspeicheldrüse in ständigem, direktem Austausch mit dem Darm.

Wie Darm und Bauchspeicheldrüse zusammenarbeiten

Bei jeder Mahlzeit gibt die Bauchspeicheldrüse ihre Enzyme in den Darm ab. Dort zerlegen sie die Nahrung, sodass die Nährstoffe aufgenommen werden können. Das ist die eine Richtung.

Diese Enzyme tun aber noch mehr: Sie gestalten das Milieu im Darm mit. Werden die Nährstoffe sauber zerlegt und aufgenommen, bleibt für die Bakterien im Dickdarm genau das übrig, was eine gesunde Flora braucht. Die Bauchspeicheldrüse sorgt also indirekt für ein geordnetes Umfeld, in dem die guten Bakterien gedeihen.

Genau hier wird die Verbindung zum Problem, wenn die Enzyme fehlen. Denn dann bleibt die Nahrung unverdaut liegen, und unverdautes Futter ist ein Festmahl für die falschen Bakterien. Es kommt zu einer Fehlbesiedlung, besonders im Dünndarm, und die Flora kippt. Der Zustand der Bauchspeicheldrüse entscheidet also mit, wie es der Darmflora geht.

Was passiert, wenn die Achse gestört ist

Wenn Darm und Bauchspeicheldrüse aus dem Takt geraten, zeigt sich das in mehreren typischen Krankheitsbildern.

Die Bauchspeicheldrüsenschwäche, kurz EPI. Hier bildet die Bauchspeicheldrüse zu wenige Verdauungsenzyme. Erst wenn sehr viel Gewebe ausgefallen ist, zeigen sich Beschwerden, dann aber deutlich: Das Tier frisst normal oder sogar mehr, magert aber trotzdem ab, und der Kot ist voluminös, hell, fettig glänzend und übel riechend, weil das Futter unverdaut wieder herauskommt. Bei EPI gehört eine Fehlbesiedlung des Darms fast immer dazu, und genau das erklärt, warum manche Tiere trotz Enzymgabe nicht ganz beschwerdefrei werden. Die Enzyme allein reichen oft nicht, wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht bleibt.

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Pankreatitis. Sie ist die häufigste Erkrankung der Bauchspeicheldrüse bei Hund und Katze und kann akut heftig oder chronisch schwelend verlaufen. Typisch sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Eine gestörte Darmflora kann eine Pankreatitis begünstigen und unterhalten, und umgekehrt bringt die Entzündung die Verdauung und die Flora durcheinander.

Der Diabetes. Wird durch eine chronische Entzündung auch der insulinbildende Teil der Bauchspeicheldrüse geschädigt, kann ein Diabetes entstehen. Und auch hier gibt es eine Verbindung zum Darm, denn die Darmflora hat Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel und die Empfindlichkeit des Körpers für Insulin.

Der Teufelskreis aus fehlenden Enzymen und Fehlbesiedlung

Besonders wichtig ist ein Kreislauf, der sich leicht selbst am Leben hält. Fehlen die Enzyme, bleibt Nahrung unverdaut liegen. Diese unverdaute Nahrung füttert die falschen Bakterien, es entsteht eine Fehlbesiedlung im Dünndarm. Diese Fehlbesiedlung schädigt aber die Darmschleimhaut und stört die Aufnahme zusätzlich, was die Verdauung noch weiter verschlechtert. So verstärken sich Enzymmangel und gestörte Flora gegenseitig.

Das erklärt auch, warum es bei diesen Tieren nicht reicht, nur die Enzyme zu ersetzen. Genauso wichtig ist es, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Schleimhaut zu unterstützen, damit der Kreislauf durchbrochen wird.

Der wichtige Baustein Vitamin B12

Ein Punkt, der bei dieser Achse fast immer eine Rolle spielt, ist das Vitamin B12, auch Cobalamin genannt. Für seine Aufnahme im Darm braucht der Körper einen Helferstoff, den zu einem großen Teil die Bauchspeicheldrüse bildet. Ist die Bauchspeicheldrüse geschwächt, fehlt dieser Helfer, und das B12 kann nicht mehr richtig aufgenommen werden.

Deshalb haben fast alle Katzen und die meisten Hunde mit Bauchspeicheldrüsenschwäche einen B12-Mangel. Da B12 für Nerven, Blutbildung und die Darmschleimhaut selbst wichtig ist, gehört dieser Wert bei Verdacht auf ein Bauchspeicheldrüsenproblem unbedingt mit kontrolliert.

Unterschiede zwischen Hund und Katze

Beim Hund ist die Bauchspeicheldrüsenschwäche EPI das bekannteste Bild dieser Achse. Besonders betroffen ist der Deutsche Schäferhund, bei dem das enzymbildende Gewebe schwinden kann. Auch die Pankreatitis kommt beim Hund häufig vor, oft nach einer besonders fetten Mahlzeit.

Bei der Katze steht die Pankreatitis im Vordergrund, und zwar meist in der schleichenden, chronischen Form, die leicht übersehen wird. Wichtig ist bei der Katze der Zusammenhang mit den Nachbarorganen: Sehr oft entzünden sich Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse gemeinsam, das kennst du aus der Folge zur Darm-Leber-Achse als Triaditis. Außerdem entwickeln Katzen im Zusammenhang mit einer geschädigten Bauchspeicheldrüse häufiger einen Diabetes. Bei der Katze lohnt es sich deshalb besonders, diese Organe nie getrennt zu betrachten.

Diagnostik: Woran erkenne ich, dass diese Achse betroffen ist?

Hier arbeiten mehrere Bausteine zusammen:

Der TLI-Wert im Blut. Dieser Wert zeigt, wie viel funktionierendes enzymbildendes Gewebe die Bauchspeicheldrüse noch hat. Ein niedriger TLI-Wert beweist eine Bauchspeicheldrüsenschwäche EPI. Wichtig ist, dass er 12h nüchtern bestimmt wird.

Die Pankreas-Entzündungswerte. Für den Verdacht auf eine Pankreatitis gibt es spezielle Werte im Blut, die eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse anzeigen.

Vitamin B12 und Folsäure. Diese beiden Werte geben Hinweise auf die Aufnahme im Darm und auf eine mögliche Fehlbesiedlung. Ein niedriges B12 passt gut ins Bild einer gestörten Darm-Bauchspeicheldrüsen-Achse.

Der Ultraschall. Er zeigt die Bauchspeicheldrüse und die Nachbarorgane und hilft, eine Entzündung oder Veränderungen zu erkennen.

Der Blick auf die Darmflora. Eine Kotflora-Analyse kann zeigen, ob eine Fehlbesiedlung vorliegt und ob die guten Bakterien fehlen.

Der Blutzucker. Er gehört mit dazu, um einen Diabetes nicht zu übersehen.