Grasmilben bei Hund und Katze: warum es gerade jetzt so juckt
Es ist September, und in meinem Postfach steht jeden Tag dieselbe Nachricht. Der Hund knabbert sich nachts die Pfoten wund. Die Katze kratzt sich die Ohren blutig. Zwischen den Zehen sitzen kleine orange Krümel, die sich nicht abwischen lassen. Willkommen in der Hochsaison der Grasmilben.
Ich möchte dir hier erklären, was da eigentlich passiert, warum das eine Tier fast nichts merkt und das andere wochenlang leidet, und was du sofort tun kannst
Was Grasmilben wirklich sind
Die Herbstgrasmilbe heißt mit vollem Namen Neotrombicula autumnalis. Einen Punkt kennen die wenigsten: Nur das Larvenstadium lebt parasitisch. Die erwachsene Milbe lebt im Boden und ernährt sich dort von pflanzlichem Material und kleinen Bodenorganismen. Sie interessiert sich nicht für deinen Hund und nicht für deine Katze.
Das Problem sind die Larven. Sie sind sechsbeinig, etwa 0,2 bis 0,3 Millimeter klein und leuchtend orange. Sie klettern auf Grashalme, Blattspitzen und Mauerkanten und warten dort auf einen Wirt, der vorbeikommt. In Mitteleuropa gibt es nur eine Larvengeneration pro Jahr, dafür oft in gewaltiger Zahl an denselben Stellen. Deshalb erwischt es viele Tiere immer wieder auf derselben Wiese, im selben Gartenstück, auf demselben Feldweg.
Aktiv werden die Larven ab etwa 16 Grad. Die Hauptzeit liegt zwischen Mitte Juli und Ende Oktober, mit deutlichem Gipfel an warmen, trockenen Nachmittagen. In milden Jahren zieht sich das bis weit in den November.
Was auf der Haut passiert
Und hier kommt der Teil, der fast alles erklärt.
Die Larve saugt kein Blut. Sie heftet sich an die Haut, gibt Speichel ab, der oberflächliches Gewebe anverdaut, und nimmt die verflüssigte Gewebeflüssigkeit auf. Nach einigen Tagen lässt sie von selbst los und fällt ab. Sie bohrt sich nicht ein, sie nistet sich nicht ein, sie legt keine Eier auf dem Tier.
Das heißt im Klartext: Wenn du deinen Hund beim Tierarzt vorstellst, weil er sich seit einer Woche die Pfoten zerkaut, sitzt oft längst keine einzige Milbe mehr auf ihm. Der Juckreiz kommt nicht von der Milbe. Er kommt von der Reaktion des Körpers auf ihren Speichel. Genau deshalb bringt es auch so wenig, panisch nach Milben zu suchen, während die Haut schon lange ein eigenes Programm fährt.
Wo du beim Hund suchst
Beim Hund sitzen die Larven fast immer dort, wo die Haut dünn ist und Bodenkontakt besteht:
- zwischen den Zehen und an den Ballen
- an den Innenschenkeln und in der Leiste
- am Bauch und an der Brust
- am Nasenrücken und rund um die Augen
- an den Ohrrändern
Wo du bei der Katze suchst
Bei der Katze liegen die Schwerpunkte etwas anders, weil sie sich anders bewegt und anders schläft:
- an den Ohrmuscheln und besonders in der Hauttasche am äußeren Ohrrand
- am Kinn und an den Lefzen
- am Bauch und in der Achselgegend
- zwischen den Zehen
Bei Freigängerkatzen entdeckst du den Befall oft erst am Verhalten. Sie putzen sich zwanghaft, schlafen unruhig, schütteln den Kopf, ziehen sich zurück. Katzen leiden hier gerne still.
Die Anzeichen
Typisch sind orange bis rötliche Pünktchen, die aussehen wie Paprikapulver und sich nicht wegwischen lassen. Dazu kommen Rötung, Quaddeln, kleine Pusteln, Krusten, Haarverlust durch Lecken und Kratzen, in schweren Fällen offene, nässende Stellen und eine Sekundärinfektion mit Bakterien oder Hefen.
Der Juckreiz ist oft massiv und quält vor allem nachts. Manche Hunde stehen um drei Uhr morgens im Wohnzimmer und beißen sich in die eigenen Pfoten. Das ist kein Ungehorsam und keine Macke, das ist Verzweiflung.
Warum das eine Tier fast nichts merkt
Zwei Hunde laufen über dieselbe Wiese. Der eine hat am Abend zwei rote Punkte, der andere zerlegt sich zwei Wochen lang die Pfoten. Der Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Milben. Er liegt in der Reaktionsbereitschaft des Immunsystems.
Bei wiederholtem Befall entwickelt sich eine echte Überempfindlichkeit gegen den Milbenspeichel. Die Reaktion fällt dann jedes Jahr heftiger aus, obwohl der Auslöser derselbe bleibt. Und hier arbeite ich als Tierheilpraktikerin an einem Punkt, den viele übersehen: Ein großer Teil des Immunsystems sitzt im Darm. Ein Tier mit gereizter Darmschleimhaut, gestörter Mikrobiota und hoher Entzündungslast reagiert auf denselben Reiz deutlich stärker als ein Tier mit stabilem Darm.
Ich sehe das jedes Jahr im Spätsommer. Die Tiere, die im Frühjahr wegen Durchfall, Blähungen oder Futterunverträglichkeiten bei mir waren, kommen im Herbst mit der Haut zurück. Das ist kein Zufall, das ist dieselbe Baustelle von einer anderen Seite.
Was du sofort tun kannst
- Nach jedem Spaziergang abspülen. Pfoten, Zwischenzehen, Bauch und Beine mit lauwarmem Wasser abduschen oder mit einem feuchten Tuch abwischen. Das entfernt einen Großteil der Larven, bevor sie sich festsetzen. Bei der Freigängerkatze reicht ein feuchtes weiches Tuch über Ohren, Kinn und Bauch, sofern sie das zulässt.
- Kühlen statt reiben. Ein kühles, feuchtes Tuch für ein bis zwei Minuten auf die juckende Stelle beruhigt mehr als jedes Kratzen.
- Die Haut pflegen und den Juckreiz nehmen. Ich empfehle hier die Pflegezeit Hautschutzcreme von PETinjo. Sie enthält Polidocanol, das den Juckreiz direkt an der Haut dämpft, dazu Sheabutter, Squalan und Ceramide für die gereizte Hautbarriere. Sie kommt ohne Konservierungsstoffe, ohne Duftstoffe, ohne Parabene und ohne Mineralöl aus, zieht schnell ein und ist für Hund und Katze gedacht, auch an Stellen, an die die Tiere gut hinkommen, also Bauch, Ohren, Rutenansatz und Hotspots. Genau das ist bei Grasmilben der Knackpunkt, denn die betroffenen Stellen sind fast immer beleckbar.
Hier findest du sie: https://petinjo.de/shop/?details=72&ref=THPDayanaWinkler - Finger weg von scharfen Hausmitteln. Teebaumöl ist für Katzen giftig, auch verdünnt und auch über die Haut. Reine Essigwaschungen auf entzündeter, offener Haut brennen und verschlimmern die Sache.
Und ganz wichtig: Präparate mit Permethrin, die für Hunde gedacht sind, sind für Katzen lebensgefährlich. Ein Spot-on vom Hund gehört niemals auf die Katze, und die beiden dürfen sich nach der Anwendung eine Weile nicht ablecken. - Kokosöl ehrlich eingeordnet. Kokosöl wird bei Grasmilben oft als Wundermittel gehandelt. Die enthaltene Laurinsäure zeigt in Laborversuchen eine gewisse abschreckende Wirkung auf Zecken. Ein belegter Schutz bei Hund und Katze im Alltag ist daraus bisher nicht geworden, und die Angaben zur Wirkdauer schwanken zwischen ein paar Stunden und einer Woche. Wenn du es verwendest, dann als Ergänzung und nicht als Schutzschild, auf das du dich verlässt.
Was du an der Umgebung ändern kannst
- Rasen kurz halten und das Schnittgut sofort entfernen, denn im liegen gebliebenen Schnitt sitzen die Larven besonders dicht
- bekannte Problemwiesen in der Hauptzeit meiden, auch wenn es die Lieblingsrunde ist
- die Gassizeit verlegen, früher Morgen und Abend sind deutlich ruhiger als der warme Nachmittag
- im Garten eine milbenfreie Zone schaffen, etwa eine Terrassenfläche, Kies oder Sand, auf der das Tier liegen kann
- Liegeplätze, Decken und Kissen in der Saison heiß waschen
Und von innen
Bei Tieren, die jedes Jahr heftiger reagieren, arbeite ich nicht nur an der Haut. Ich schaue mir den Darm an, die Fütterung, die Histaminlast und die Versorgung mit Omega 3 Fettsäuren. Eine ruhige Darmschleimhaut und eine stabile Mikrobiota senken die allgemeine Entzündungsbereitschaft, und genau davon lebt eine überschießende Hautreaktion.
Das ist kein Effekt für übermorgen. Das ist die Arbeit, die man im Winter macht, damit der nächste September anders aussieht.
Wann du zum Tierarzt gehst
Bitte nicht abwarten bei offenen, nässenden oder eitrigen Stellen, bei starker Schwellung, bei einer Ohrenentzündung, bei Fieber, bei Tieren, die vor Juckreiz nicht mehr zur Ruhe kommen, und bei Katzen, die plötzlich apathisch werden oder das Fressen einstellen. Sekundärinfektionen brauchen eine tierärztliche Behandlung, und starker Dauerjuckreiz gehört unterbrochen, bevor die Haut völlig zerstört ist.
Bekommt der Mensch das auch?
Ja. Grasmilbenlarven befallen auch uns und hinterlassen stark juckende rote Quaddeln, meist an Fußgelenken, Kniekehlen, im Hosenbund und in den Achseln. Übertragen wird das aber nicht vom Tier auf dich. Ihr holt euch die Larven beide unabhängig voneinander aus der Umwelt. Der Hund ist also nicht schuld, ihr wart nur auf derselben Wiese.
Mein Fazit
Grasmilben sind kein Zeichen für schlechte Pflege und kein Versagen. Sie sind ein Wiesenphänomen, das jedes Tier treffen kann. Was du beeinflussen kannst, ist die Menge, die auf der Haut landet, wie gut die Haut den Reiz wegsteckt und wie heftig das Immunsystem darauf antwortet.
Wenn dein Tier jedes Jahr schlimmer reagiert oder wenn der Juckreiz auch nach der Milbensaison nicht aufhört, dann steckt meistens mehr dahinter als die Wiese. Darüber spreche ich gerne mit dir. Mein Erstgespräch ist kostenlos und du buchst es dir direkt selbst: https://www.tierheilpraxistrickcatting.com/therapie-informationen
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